Morgekafi mit Sandra Graf …

… dem leuchtenden Vorbild

Es ist kurz vor 9h am winterlich grauen Morgen des 5. Dezember 2025 als Sandra Graf, ehemalige paralympische Spitzensportlerin in den Saal im Sportzentrum Landhaus rollt. Im Jahr 1991 hat ein schwerer Sturz bei einer Turnübung sie zur Paraplegikerin gemacht. An das Unfallgeschehen erinnert sich Sandra nicht, aber schon bevor ihr der Arzt am Folgetag die Mitteilung zur erlittenen Verletzung macht, weiss sie: «Ich bin querschnittgelähmt!»

Das Leben vor dem Unfall

Sandra ist in Gais in einer sportbegeisterten Familie als mittlere von drei Töchtern aufgewachsen. Skifahren, Leichtathletik, Turnen sowie Bewegung im Freien waren ihre Leidenschaften; sie hatte einen Lehrabschluss in der Tasche, einen tollen Arbeitgeber, wohnte zuhause, war verliebt in Martin und beide hegten bereits Gedanken an eine gemeinsame Zukunft. Und dann der Schicksalsschlag!

Das Leben nach dem Unfall, der Vieles umkrempelte

Das «Ja» der behandelnden Ärzte auf die Frage: «Kann ich schwanger werden», die körperliche beste Verfassung, ein tragendes Umfeld im Familien- und Freundeskreis sowie der feste Wille, weiterhin auf hohem Niveau Sport zu betreiben und der halbjährige Aufenthalt im kurz zuvor eröffneten Paraplegiker-Zentrum in Nottwil haben Sandra fit gemacht für die Zeit danach. Sandra, die stets positiv denkende, bewundernswerte Persönlichkeit, startet bereits vier Monaten nach dem Unfall ihre ersten Versuche, Ski zu fahren und legt in der Folge den Grundstein zu einer unglaublichen und langen Spitzensportkarriere als Rennrollstuhlfahrerin und Handbikerin. Ihr Palmares wird gekrönt von sechs Teilnahmen an Paralympics «all over the world» und von zahlreichen sonstigen Auszeichnungen.
Und auch privat erfüllt sich der Wunsch nach einer Familie, werden doch Sandra und Martin in den Jahren 1994 und 1997 zwei Töchter geschenkt. Dank Hilfestellungen von Ehemann, den grösser werdenden Kindern sowie von Eltern und Schwiegereltern kann Sandra ihren Aufgaben gerecht werden und ihr grosses tägliches Trainingsprogramm absolvieren. Stolz hält sie zum Privaten fest: «Unsere Kinder haben eine normale Jugend erlebt; ich konnte sie einzig nicht auf Bergtouren begleiten.»

Jede Spitzensportkarriere geht zu Ende

Lange vor der letzten Teilnahme an den Paralympics in Tokyo im Jahr 2021 reift bei Sandra der Gedanke, den Spitzensport an den Nagel zu hängen. Für alle Spitzensportlerinnen und -sportler kein einfacher Moment, will man danach nicht in ein Loch fallen. Von ihren Coaches in dieser Phase begleitet, widmet sich Sandra fortan als Trainerin jungen Parasportlerinnen und -sportlern und bemerkt dazu mit Freude, dass eine junge Handbikerin aus ihrem Team bereits Weltmeisterin ist. Auch im Rollstuhlsportclub der Ostschweiz ist ihr Engagement gefragt. Sandras Ehemann Martin ist nebst seinem beruflichen Engagement ein unverzichtbares Team-Mitglied der Betreuungstruppe geworden und gelegentlich werden die beiden auch von den mittlerweile erwachsenen Töchtern begleitet, die einen guten Draht zu den jungen Rollstuhlsportlern haben.
Auch heute trainiert Sandra täglich; es ist ein Fitnessprogramm, das vorab der Erhaltung ihrer Gesundheit dient und mancher der heute Anwesenden geht wohl nach Hause und fragt sich: «Sollte nicht auch ich etwas mehr tun für mein körperliches Wohlbefinden und mir eine kleine Scheibe abschneiden vom Gedankengut von Sandra: Stets positiv vorwärtsschauen, da musst du durch!»